Amateurfunkgeschichte

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DBØBLN @ JO62NK
Fernmedeturm Schäferberg



Der Digipeater DB0BLN wurde am 21.4.1988 von DL8OAD (Gründungs-SysOp) als Clubstation des VFDB-Berlin (Z20) beantragt und mit vielen Helfern (DL7BE, DL7TT, DL7NJ und DF3YM u.a.) am 22.10.1988 auf dem Fernmeldeturm Schäferberg der Deutschen Bundespost in Berlin Wannsee errichtet: 

WW-Locator: JO62NK 
Östliche Länge: 13° 07' 46", Nördliche Breite: 52° 25' 08" 
Antennenhöhe: 132m ü. Grund (entspricht 235m ü.NN)

Vorrangiges Ziel war - neben der Versorgung Berlins mit Packet-Radio - die Anbindung Berlins an das entstehende Netz Westdeutschlands. Der Digi arbeitete zunächst mit einem RMNC und wurde kurze Zeit später auf NetROM umgestellt. Die 185km lange Richtfunkstrecke zum Digipeater DB0TOR auf dem Torfhaus (Harz) wurde mit 1200bps AFSK im 70cm-Band realisiert. Dabei kamen Standard-Funkgeräte mit 10 Watt und Antennen mit ca. 10dB Gewinn zum Einsatz. Hier der Ablauf der Entwicklung von 20 Jahren in Stichpunten: 

  • 21.04.1988: Antrag von DL8OAD zur Errichtung der Clubstation DB0BLN.
  • 22.10.1988: Inbetriebnahme des Digipeaters DBØBLN.
  • Im Januar 1990 geht eine 13cm-Linkstecke zur Berliner Mailbox DB0GR in Betrieb (nicht mehr qrv!).
  • Umstellung auf TheNetNode V1.22 (TNC-2 mit 19K2-Token-Ring) im März 1990.
  • Im Juli 1990 wird ein Link zu Y51O (jetzt DB0BLO) auf 70cm geschaltet. Ab August 1990 geht auf der gleichen Frequenz ein Link zu Y51F (jetzt DB0LUC) in Betrieb.
  • DC7GB wird im Januar 1991 neuer SysOp von DB0BLN. Der 70cm-Einstieg wird auf DAMA umgestellt.
  • Ab Anfang 1993 wird DB0BLN mit USCC-Karten ausgerüstet und mit der BayCom-Node-Software betrieben. Anbindung von DB0BER zunächst mit 1K2 AFSK. Im Dezember 1993 wird der 70cm-Einstieg auf Duplex umgestellt.
  • 1994 wird ein Link nach DB0FFO (jetzt DB0FRO) mit 1k2 installiert.
  • Anfang 1995 erneute Umstellung auf PC/FlexNet. Anbindung von DB0SPR mit 9K6 FSK.
  • 1996 werden die Links nach DB0BER und DB0SPR auf 19K2 FSK umgestellt.
  • 1996/1997 kompletter Neubau von DB0BLN. Der Digipeater wird mit Kabeltreibern ausgestattet, um abgesetzte Links realisieren zu können. Die FSK-Modems nach DF9IC werden als Single-Chip-Lösung neu entworfen. Der 70cm-Einstieg wird auf Duobaudbetrieb 1K2/9K6 erweitert. Der Link nach DB0FRO (jetzt DB0FFT) wird auf 9K6 umgestellt.
  • Ab Juni 1997 ist DB0BLN über eine 9K6-Duplexstecke auf 23cm mit DB0BRO-1 verbunden und bekommt einen 23cm-Einstieg mit 9K6-DAMA.
  • Im September 1997 erfolgt ein Linklagenwechsel der Strecken nach DB0SPR und DB0FRO (jetzt DB0FFT). Die dazugehörigen Geräte werden in der 28. Etage des Fernmeldeturms über 50m Steuerkabel vom Digirechner ferngesteuert.
  • Im Oktober 1997 wird ein Link nach DB0NAU mit 9K6 FSK installiert.
  • Im November 1997 werden erste Vorbereitungen zur Erweiterung von DB0BLN mit TCP/IP durchgeführt.
  • Am 18. Oktober 1999 wird ein 1.7m Parabolspiegel mit Wetterschutzhaube für den Link nach DB0BRO-1 in Betrieb genommen und verbessert damit die Anbindung dieses Weitverkehrslinks um etwa 10 dB.
  • Anfang Dezember 1999 geht der Link nach DB0SDT in Betrieb und führt damit zu einer wesentlichen Verbesserung der Anbindung von Nordost- Deutschland.
  • Am 12. April 2000 wird der PC bei DB0BLN durch einen RMNC3 ersetzt, wodurch der weitere Ausbau neuer Linkstrecken und der Betrieb eines TCP/IP-Servers möglich wird.
  • Ab 3. Mai 2000 laufen erste Versuche mit einem http-Server der auf dem nun freien PC unter der TCP/IP-Adresse 44.130.36.200 mit dem Call DB0BLN-10 angesprochen werden kann.
  • 27. Juni 2000: Die Linkstrecke nach DB0LUC wird mit einem 2m-Parabolspiegel aufgerüstet. Der Spiegel hat einen gemessenen Gewinn von 25dBD.
  • Am 21. September 2000 wurde der Linux-Server in Betrieb genommen.
  • 1. August 2002: Nach fast 2 jährigem Warten konnte endlich der 76K-Einstieg auf 23cm eingeschaltet werden.
  • Ab 2003 übernimmt Thomas - DL9SAU - das Management des TCP/IP-Knotens.
  • 30.Oktober 2003: Umrüstung des TCP/IP-Servers auf Pentium 200, 64MB RAM, RAID-Harddisk, CD-RW und DVD-Laufwerk unter SuSE Linux 9.0.
  • Im Herbst 2004 wird der Link-TRX-Einschub von DB0BRO-1 nach 7 Jahren das erste Mal in Berlin gewartet und dabei einige Unstabilitäten in der Endstufe behoben. Nach einem Neuabgleich geht der Einschub zur Interradio 2004 wieder an den Sysop von DB0BRO zurück.
  • 10. Dezember 2004: Erste WLAN-Tests 11&54MB/s auf 2.4GHz mit Anbindung an den TCP/IP-Server.
  • 24. Februar 2005: Der Betrieb des 70cm-Duobaud-Einstiegs wird aufgegeben. Auf 70cm läuft jetzt ein reiner 9k6 FSK-Duplex-Zugang. Zum Ausgleich geht auf 144,8375 MHz ein 1k2-AFSK Simplex-Kanal in Betrieb.
  • November 2005: Mit erheblichen Aufwand wurden in extrem kurzer Zeit Statik-Berechnungen für die Antennensysteme von DB0BLN durchgeführt und dem Standortinhaber übergeben.
  • 20.12.2005: Die Antennen und Kabel in der 28. Etage des Fernmeldeturms wurden neu verlegt und die gesamte Technik zusammen mit dem Funkrufsender in einen neuen Schrank eingebaut.
  • 7.1.2006: Der Funkruf-Betrieb wird aufgenommen. DB0BLN wird als Slave von DB0BLO-5 gesteuert.
  • 2.5.2006: DB0BLN wird mit einem Celeron-D 2,8GHz PC mit 512MB RAM und zwei 80GB Harddisks im RAID-1 Betrieb ausgerüstet. Der Server übernimmt auch die Steuerung des Echolink-Betriebs bei DB0SP.
  • 23.05.2006: DB0BRO muss seinen Betrieb nach Aufforderung der Deutschen Telekom-AG auf dem Brocken endgültig einstellen. Damit ist der Osten und Nord-Osten von DL mit einem Schlage wieder zur PR-Provinz geworden.
  • 22.10.2006: Die im Server nicht benötigte Rechenzeit wird mit BOINC einem Grid-Computing-Projekt im Internet (z.Z. seti@home und einstein@home) zur Verfügung gestellt. Dem SETI-Projekt konnte man sich mit seinem eigenen Computer im Team HAM Radio PR-Cluster Germany anschliessen.
  • 15.02.2007: Der Standortbetreiber aller Fernmeldetürme der Telekom beschränkt die Nutzung seiner Türme auf maximal 4 Antennen, 1qm Antennenfläche, 0,5qm Schrankstandfläche und 100W Spitzenstromaufnahme. Der Betrieb von DB0BLN und DB0SP am gleichen Standort ist damit akut gefährdet.
  • 14.04.2007: Der Link zu DB0FFT wird ausser Betrieb genommen.
  • 28.04.2007: Alle Links von DB0BLN werden abgeschaltet. Die beiden Parabolspiegel und alle PA23R-Linkantennen werden abgebaut. Es verbleiben die zwei X4000-Antennen für die vier Einstiege. DB0BLN wird auf IGate-Betrieb umgestellt
  • 28.07.2007: Wegen der 100W-Beschränkung wird der bisherige PC gegen einen Laptop ausgetauscht. Gleichzeitig wird das Grid-Computing-Experiment eingestellt.
  • 04.10.2007: Der 9k6-Einstieg auf 23cm wird auf den neuen Frequenzen TX=1298,825 MHz und RX=1270,825 MHz mit 10 W Strahlungsleistung an einer X4000 wieder in Betrieb genommen.
  • 22.10.2008: Abschaltung des Digipeaters DBØBLN.

Nach genau 20 Jahren beendet DB0BLN wegen der zu stark beschränkenden Auflagen der DFMT und dem stetig abnehmenden Interesse an der Betriebsart PacketRadio seinen Betrieb als Digipeater.


© 10.01.2012 by DC7GB